Hautveränderungen beim Kaninchen – Parasiten und Pilze als Ursache   Hautveränderungen beim Kaninchen PDF ( 735 KB)

   

Kaninchen werden heutzutage zunehmend in Einzelhaltung als Mitbewohner in der Wohnung nahe bei ihren Besitzern gehalten, zumal sie häufig auch stubenrein sind. Durch Kontakt mit anderen Kaninchen, z.B. durch Zukauf oder auch in der Tierarztpraxis können sie von Ektoparasiten befallen werden oder sich mit Dermatophyten infizieren.

Ektoparasiten

Milben:
Hier spielt vor allem die Raubmilbe (Cheyletiella parasitivorax) eine Rolle. Die Übertragung erfolgt über Körperkontakt, sie kann aber auch indirekt durch Bürsten, die bei verschiedenen Kaninchen verwendet werden, erfolgen. Diese Milbenart ist im Übrigen nicht sehr wirtspezifisch, sie kann auch vorübergehend den Besitzer oder andere Tiere im Haushalt befallen und zu Juckreiz führen.

Beim Kaninchen fällt eine massive Schuppenbildung und starker Juckreiz auf. Eine Prädilektionsstelle befindet sich dabei beim Kaninchen im Nackenbereich. Werden die Schuppen abgebürstet, kann man die Milben auf einer dunklen Unterlage dann laufen sehen. Zur Diagnostik kann man diese „wandernden Schuppen“ mit einem Tesafilm Streifen einfangen und auf einen Objektträger aufkleben und im Mikroskop bestimmen. Kennzeichen dieser Milbe sind die Pedipalpen, die wie nach innen gebogene Hörner ausgebildet sind und dem Festhalten der Nahrung (Schuppen) dienen.

Abb. 1: Cheyletiella parasitivorax
Abb. 1: Cheyletiella parasitivorax

Wird die Probe als Hautgeschabsel genommen und nicht gleich fixiert, findet man häufig nur noch die an die Haare festgeklebten Eier, die Milben sind geflüchtet. Bei der Bekämpfung dieser Milben, die mit verschiedenen Antiparasitarika erfolgen kann, darf vor allem die Umgebungsbehandlung (Reinigung und Desinfektion) nicht vergessen werden, auch wenn die Milben außerhalb des Wirtes nicht lange überlebensfähig sind.

Bei der zweiten wichtigen Milbenart handelt es sich um die Saugmilbe Psoroptes cuniculi. Bei der Einzeltier Haltung tritt das voll ausgeprägte Krankheitsbild im Gegensatz zu Zucht- und Mastkaninchen eher selten auf. Die Ohren der betroffenen Tiere weisen blätterteigartige dicke Auflagerungen auf. Die Übertragung erfolgt durch direkten Körperkontakt. Aber auch eine indirekte Infektion durch Vektoren ist möglich. In diesem Zusammenhang ist vor allem an Bürsten und auch an Kleider zu denken. Außerhalb des Wirtes sind dies Milben etwa 2-3 Wochen überlebensfähig.

Sind Kaninchen in einem Pferdestall betroffen, sollten evtl. auch die Pferde kontrolliert werden. Die Übertragung erfolgt dann häufig durch Kinder, welche die Milben zwischen befallenem Kaninchen und Pferd hin und hertragen können.

Die Diagnose ist aufgrund der typischen Veränderungen an den Ohren fast schon makroskopisch zu stellen. Werden die Krusten abgenommen, kann man die Milben aufgrund ihrer Größe meist schon mit bloßem Auge auch ohne Mikroskop erkennen. Mikroskopisch typisch ist das für eine Saugmilbe Stilett förmig ausgebildete Mundwerkzeug.

Abb.2: Psoroptes cuniculi
Abb.2: Psoroptes cuniculi

Neben einer spezifischen Milbentherapie darf eine Umgebungsbehandlung mit Reinigung und Desinfektion nicht unterlassen werden. Es müssen auch alle Tiere eines Bestandes mitbehandelt werden, auch wenn sie noch keine Symptome aufweisen.

An weiteren Milben kommt noch Leporacarus gibbus, eine weniger pathogene Fellmilbe in Betracht. Dieser Parasit lebt im Fell der Tiere und klebt seine Eier ebenfalls an die Haare fest. Der Juckreiz ist relativ gering ausgeprägt.

Abb.3: Ei von Leporacarus gibbus
Abb.3: Ei von Leporacarus gibbus

Andere relativ selten bei uns auftretende Ektoparasiten beim Kaninchen sind der Kaninchenfloh und die Kaninchenlaus.

Abb.4: Kaninchenfloh (Spilopsyllus cuniculi)
Abb.4: Kaninchenfloh (Spilopsyllus cuniculi)

Das Verhalten dieser Flohart entspricht der Lebensweise anderer Flöhe. Sie machen eine vollständige Metamorphose über Ei, Larve und Puppenstadium außerhalb des Wirtes zum adulten Floh durch. Bedeutung gewinnt der Kaninchen Floh dadurch, dass er beim Saugakt den Erreger der Myxomatose (Leporipoxvirus) übertragen kann. Neben einer spezifischen Therapie ist auch in diesem Fall die Umgebungsbehandlung ein unbedingtes Muss.

Die Kaninchenlaus (Haemodipsus ventricosus) verhält sich wie andere Lausarten unbedingt wirtspezifisch. Die Übertragung erfolgt nur durch direkten Körperkontakt. Neben Juckreiz führt der Läusebefall auch häufig zu einer Fressunlust. Zusätzlich zu einer spezifischen Therapie, die nur die Läuse abtötet, müssen die Nissen besonders beachtet werden. Hier ist eine Nachbehandlung unbedingt erforderlich. Es kann versucht werden, die Eier auszubürsten oder bei langhaarigen Kaninchen durch Scheren zu beseitigen.

Da keine Antiparasitarika speziell für das Kaninchen zugelassen sind, müssen Präparate umgewidmet werden. Selamectin-, Doramectinoder Ivermectin-haltige Präparate, aber auch Pyrethroid-haltige Shampoos oder Puder werden gut vertragen. Nur die Anwendung von Fipronil birgt Risiken.

Da mit der Therapie in der Regel nur die adulten Stadien abgetötet werden, muss die Applikation im Abstand von 8-10 Tagen zweimal wiederholt werden, um auch die nächsten Parasitengenerationen abzutöten.

Werden Kaninchen in Außengehegen gehalten, kommen natürlich auch jahreszeitlich auftretende Parasiten wie Zecken und Herbstgrasmilben bei unseren Kaninchen vor. Unspezifische Parasiten, aber umso mehr gefürchtet, stellt der Befall mit Fliegenmaden dar. Als Ursache werden Durchfall oder Abszesse mit ihren intensiven Geruchsabweichungen angenommen. Der Befall wird durch den Besitzer häufig erst spät bemerkt. Die Therapie besteht neben Absammeln der Maden und Eier auch im Beseitigen der Ursache. Als Prophylaxe kann man in Außenhaltung auch die Umwidmung und Applikation von Deltamethrin (z.B. Butox®) im Frühjahr erwägen.

Pilzbefall

Kaninchen sind ähnlich anderer Nagetiere wie Meerschweinchen und Chinchillas häufig auch latent ohne klinische Veränderungen mit einem Dermatophyten infiziert. Rundliche haarlose Stellen, aber auch nässende, teils krustös veränderte Kahlstellen im Bereich der Augen, Ohren und im Nasenbereich sind für eine Dermatophytose verdächtig. Andere veränderte Stellen am Körper treten eher selten auf.

Die Probenentnahme sollte stets am Rand der Veränderung erfolgen. Es sollten Haare gezupft bzw. auch ein Geschabsel entnommen werden. Da der Erreger einer Dermatophytose zoonotisches Potential aufweist, ist hierbei besonders auf ein hygienisches Vorgehen zu achten.

Für die mikroskopische Beurteilung werden krustöses Material und Haarwurzeln auf einen Objektträger aufgebracht und mit Paraffinöl überschichtet, das Präparat wird mit einem Deckgläschen überdeckt und durch Andrücken für die Mikrokopie vorbereitet. Statt Paraffinöl kann das Geschabsel auch mit Kalilauge (10-20%) überschichtet werden, hierdurch werden die Krusten besser gelöst und die um das Haar manschettenförmig angeordneten Sporen besser erkennbar als beim Paraffinöl Präparat. Nachteil des Kalilaugenpräparates istdie leichtere Austrocknung, die Kristallbildung verhindert dann die mikroskopische Beurteilung. Diese Sporenmanschetten sind ein deutlicher Hinweis auf die Ursache der Hautveränderungen.

Abb.5: Sporenmanschette um das Haar
Abb.5: Sporenmanschette um das Haar

Das Geschabsel wird dann auch kulturell untersucht. Hierzu wird es zerkleinert und auf spezielle Nährböden aufgebracht. Zur besseren Anheftung wird etwas sterile Kochsalzlösung dazugegeben und das Geschabsel auf den Nährboden angedrückt. Routinemäßig wird in unserem Labor ein Sabouraud Agar mit Gentamicin und Chloramphenicol zur Hemmung des Bakterien-Wachstums sowie ein Sabouraud Nährboden mit Gentamicin und Cycloheximid (Actidion) zur Hemmung von Schimmelwachstum verwendet. Die Bebrütung erfolgt bis zu vier Wochen bei 28°C. Die Bewertung der Kulturen erfolgt erstmals nach vier Tagen. Die Auswertung der Kulturen wird anhand ihrer Kulturoberseite, ihrer Unterseite sowie mikroskopisch vorgenommen.

Trichophyton mentagrophytes Oberseite der Kultur Trichophyton mentagrophytes Unterseite der Kultur
Abb.6: Trichophyton mentagrophytes Ober- und Unterseite der Kultur

Für die Mikroskopie wird von verdächtigen Kolonien ein Tesafilm Abklatsch Präparat angefertigt, das mit eine Tropfen Lactophenol Baumwollblau gefärbt mit dem 40er Objektiv mikroskopisch nach typischen Merkmalen wir Mikrokonidienform, Makrokonidien und Spiralhyphen durchsucht wird.

Abb.7: Makrokonidien und Mikrokoniden
Abb.7: Makrokonidien und Mikrokoniden

Beim Kaninchen wird bei pilzbedingten Hautveränderungen überwiegend Trichophyton mentagrophytes nachgewiesen. Dieser wenig Wirt spezifische Pilz hat sich vor allem auf Nagetiere wie Meerschweinchen und Kaninchen adaptiert.

Abb.8: Verteilung der positiven Kulturen 2010
Abb.8: Verteilung der positiven Kulturen 2010

In unserem Untersuchungsmaterial von 2010 wurden insgesamt 658 Hautgeschabsel vom Kaninchen kulturell untersucht. In ca. 21 % (n= 140) wurde ein relevantes Pilzwachstum festgestellt. Unterteilt nach dem Schema Dermatophyten-Hefen-Schimmelpilz (DHS) dominierten in der Dermatophyten Gruppe bei den positiven Kulturen mit 30.0% Trichophyton mentagrophytes. An zweiter Stelle folgte mit 5.0 % Trichophyton terrestre. Hierbei handelt es sich wie der Name schon sagt um einen geophilen Pilz, der sich bei Vorschädigung der Haut absiedeln kann und das Bild einer Dermatomykose hervorrufen kann.

Mikrosporum gypseum wurde mit 2.1 % bei den positiven Kulturen festgestellt. Bei dieser Art handelt es sich auch in erster Linie um einen Erdbodenbewohner, der dann bei einer Besiedelung aber auch das Bild einer Dermatophytose ergibt.

Zählt man bei den positiven Kulturen die nachgewiesenen Sproßpilze zusammen, die sich aus Candida spp., Candida albicans und Malassezia pachydermatis sowie der als apthogen geltenden Hefe Rhodotorula rubra zusammensetzten, kommt man auf einen prozentualen Anteil von ca. 28 %. Bei einem Hefebefall erwartet man klinisch eine eher schmierig seborrhoeische Hautveränderung.

In der Gruppe der Schimmelpilze, die wohl insgesamt als sekundäre Verunreinigung zu interpretieren sind, ragt der Nachweis von Scopulariopsis brevicaulis mit 27.2 % heraus. Es handelt sich hierbei um einen ubiquitär verbreiteten Schimmelpilz, der sekundär vorgeschädigte traumatisierte Haut befallen kann. Die pathogenetische Relevanz dieser Pilzart ist also nur im Zusammenhang mit dem klinischen Erscheinungsbild zu werten. Allerdings wurde diese Pilzart in der Kultur häufig als Reinkultur in hoher Anzahl festgestellt.

Prädisponierend für eine Pilzerkrankung sind latent infizierte Sporenträger ohne typische klinische Erscheinungen. Stress infolge Rangordnungskämpfe, Unsauberkeit oder eine nicht adäquate Ernährung sind häufig ein Kofaktor dafür, dass sich eine Pilzinfektion manifestieren kann.

Therapie

Sind nur lokale Veränderungen vorhanden, kann versucht werden diese auch nur lokal zu behandeln. Hierbei ist zu beachten, dass über den Randbereich der Veränderung hinaus eine Behandlung erfolgt. Die Therapie muss etwa 3-4 Wochen konsequent durchgezogen werden. Als lokale Behandlung geeignet ist Enilkonazol (z.B. Imaverol ®), das als 0,2 % ige Lösung alle 3-4 Tage aufgetupft wird, man kann sie auch aufsprühen. Die Haut wird hierdurch stark ausgetrocknet.

Besteht gleichzeitig Juckreiz, kann man auch Clotrimazol (z.B. Surolan®) verwenden. Es wird aufgetupft, vor allem bei entzündeter Haut ist diese Behandlung angezeigt, da es auch entzündungshemmende Inhaltstoffe besitzt und rückfettend wirkt.

Sind die Hautveränderungen großflächig bis generalisiert, muss eine systemische Behandlung durchgeführt werden. Man kann Itrakonazol (Itrafungol®) umwidmen, die Dosierung beträgt 5-10 mg/kg KGW, es wird wie bei der Katze alternierend gegeben, also eine Woche Gabe, eine Woche Pause, eine Woche Applikation. Diese Intervall Behandlung wird möglichst zweimal durchgeführt. Da die Kaninchenhaut dicker ist als die von Katzen, sollte die höhere Dosis gewählt werden. Alternativ kann auch Griseofulvin umgewidmet werden, die Dosis beträgt 50 mg/kg KGW, bei einer täglichen Gabe. Diese Mittel darf nicht bei trächtigen Tieren angewendet werden. Als weiteres Mittel kann man Terbinafin aus der Humanmedizin umwidmen, die Dosierung liegt bei 30 mg/kg KGW.

Auch die Gabe von Lefonuron (Program®) kann erwogen werden, da dieses Präparat, das für die Bekämpfung von Ektoparasiten zugelassen ist, die Zellwände der Pilze angreift. Es werden alle zwei Wochen 100 mg/kg KGW verabreicht. Eine dreimalige Gabe sollte in der Regel ausreichen. Beim Befall mit Hefen muss in der Regel zunächst eine übergeordnete Erkrankung wie ein Vitaminmangel, eine metabolische Erkrankung wie Diabetes mellitus vor der spezifischen Sprosspilz Behandlung mitberücksichtigt werden.

Da man mit den parenteral verabreichten Medikamenten die Haut und ihre Anhangsorgane zwar gut erreicht, die Sporenlast der Haare aber noch sehr hoch sein kann, muss zum Schutz anderer Tiere und auch des Besitzers versucht werden, diese Sporen abzutöten und die Umgebung zu desinfizieren. Neben der oralen Applikation ist deshalb noch die Waschung bzw. Betupfung mit Imaverol® zu erwägen.

Desinfektion und Umgebungsbehandlung

Um eine Übertragung auf andere Tiere und auch dem Menschen zu vermeiden, ist eine gleichzeitige Umgebungsbehandlung erforderlich. Neben einer konsequenten Reinigung, evtl. mit Absaugen der Umgebung sollte auch eine Desinfektion der Umgebung der Kaninchenhaltung durchgeführt werden. Gut geeignet ist der Einsatz von Chlorbleiche (Natriumhypochlorit), die als Konzentrat (5 %) in Drogerien erhältlich ist. Verdünnt wird sie einfach aufgetragen, sie tötet Sporen zuverlässig ab, ist allerdings schleimhautreizend. Evtl. kann man die Umgebung auch mit Enilkonazol (Imaverol®) behandeln, 2%ige Lösung.

 











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