Die antibiotische Therapie in der Tierarztpraxis  Die antibiotische Therapie (118KB)

 
 
 

Nach dem Grundsatz der Antibiotika-Leitlinien, aber auch zur Einleitung einer optimalen Therapie und zur Vermeidung unnötiger Kosten sollte der Einsatz von Antibiotika auf einer exakten Diagnosestellung basieren; weiterführende Laboruntersuchungen, Kenntnis um den Immunstatus des Tieres und weitere epidemiologische Aspekte können hilfreich bei der Auswahl des für das spezielle Individuum am besten geeigneten Antibiotikums sein. Bei der Anwendung von Wirkstoffen auf der Grundlage eines Resistenztest sollten sowohl die klinische Situation als auch die pharmakokinetischen Eigenschaften des Wirkstoffes berücksichtigt werden, d.h. inwieweit der Wirkstoff überhaupt das Zielgewebe erreichen kann, wie hoch die zu erwartende Wirkstoffkonzentration ist usw.

Vor Behandlungsbeginn empfiehlt sich eine Erregeridentifizierung. In all den Fällen, in denen das klinische Krankheitsbild auf keinen definierten Keim mit bekannter Resistenzlage schließen lässt, ist dann die Anfertigung eines Antibiogramms angezeigt. Der Erfolg einer Antibiose hängt nicht zuletzt von der ausreichend hohen und langen Dosierung des Wirkstoffes ab.

Generell sollte bei bakteriostatischen Chemotherapeutika ein kontinuierlicher Wirkstoffspiegel zwei bis drei Tage über das Abklingen der Symtome hinaus erreicht werden. Der Einsatz dieser Wirkstoffe reicht in der Regel aus, wenn Patienten mit intakter Phagozytosefähigkeit vorliegen. Insbesondere bei Infektionen mit gramnegativen Bakterien ist bakteriostatischen Chemotherapeutika der Vorzug zu geben, da die Verwendung bakterizider Antibiotika durch Abtöten der Keime und nachfolgende Endotoxinfreisetzung zu gravierenden Krankheitsbildern führen kann.
 

 
 
 

Bei bakteriziden Chemotherapeutika muss zu Beginn ein wesentlich höherer Wirkstoffspiegel erzielt werden; später ebenfalls ein kontinuierlicher. Der Einsatz dieser Substanzen ist besonders dann angezeigt, wenn akute und lebensbedrohende Infektionen vorliegen. In den meisten Fällen erhält man durch das Antibiogramm mehrere als sensibel eingestufte Wirkstoffe. Nun muss genau überlegt werden welcher Wirkstoff am besten geeignet ist. Grundsätzlich sollte er gut verträglich sein, eine hohe Anreicherung im Zielgewebe haben, geringe Tendenz zur Resistenzbildung besitzen und ein enges Wirkspektrum aufweisen, um lediglich primär pathogene Erreger zu erreichen und um evtl. bei ausbleibendem Erfolg der Behandlung auf einen anderen Wirkstoff zurückgreifen zu können. Trotz Erregerbestimmung und Resistenztest vor Therapiebeginn kommt es im Verlauf der Behandlung bakteriell induzierter Erkrankungen bisweilen zu der Situation, dass das ausgewählte Antibiotikum/ Chemotherapeutikum nicht den gewünschten Erfolgt bringt. Dies liegt begründet in einer komplexen Wechselbeziehung zwischen Tier (Immunstatus und Pharmakokinetik), Antibiotikum (antimikrobielle Wirkung und Toxizität) und Erreger (Virulenz und Resistenz) und ist leider nicht vermeidbar. Im folgendem sind die veterinärmedizinisch üblichen Antibiotikagruppen aufgeführt, jeweils mit Wirktyp, einigen Beispielen der Anwendungsgebiete, wichtigsten Gegenanzeigen und Nebenwirkungen und dem Wirkstoffnamen. Hinter den Wirkstoffnamen sind die Handelsnamen exemplarisch und ohne Bewertung gelistet.
 

 Wirkstoffgruppe

   Wirktyp 

 Anwendung

 Gegenanzeichen,
Nebenwirkungen

 Produktbeispiele
  
Polypeptide

bakterizid
 
Infektion des Magen-
und Darmtraktes, lokale
Infektion der Augen und
Ohren mit
Pseudomonaden
 
Nierenfunktionsstörungen,
in Kombination mit
potentiell nephrotoxi-
schen, neurotoxischen
und muskelrelaxierenden
Substanzen hohe syste-
mische Toxizität: neuro-
toxisch und nephroto-
xisch, deshalb
lokale und orale
Anwendung
 

Polymyxin B (Stoparin,
Surolan)
Polymyxin E / Colistin
(Colistin)
 
Makrolide
 
bakteriostatisch; bes.
grampositive Keime,
intrazelluläre Keime

Infektion des
Respirations- und
Urogenitaltraktes, des Knochen- markes, der Haut; Mykoplasmen-
infektion 

Hepatopathie,
lokal reizend

Erythromycin
(Erythromycin,
Erythrocin Mittel der Wahl bei
Katzenschnupfen)
Spiramycin (Suanatem =
Kombination mit
Metronidazol, bei
Infekten der Maulhöhle und des Magens)
Tilmicosin (Micotil)
 
  
Lincosamide
 
bakteriostatisch; enges
Wirkungsspektrum, bes.
grampositiv, z.T.
Mycoplasmen
 
Infektion der Haut und
Knochen, Arthritiden
 
Pferd, Kaninchen und
Hamster: Kolitiden
Mögl. Nebenwirkungen:
Enterokolitis, lokal rei-
zend

Lincomycin (Albiotic;
2xtgl. Appl.)
Clindamycin
(Cleorobe, Mittel der
Wahl bei Neosporose in
Kombination mit
Sufonamid/Trimethoprim)
   

Gyrasehemmer/
Fluochinolone
 
bakterizid;
Breitbandantibiotika,
wirksam gegen alle intrazellulären Bakterien;
Gute Kombinierbarkeit
mit ß-Lactam-Antibiotika
und Metronidazol
 
 
Harnwegs-, Knochen-,
Gelenks- und
Atemwegsinfektion,
Chlamydieninfektionen
 
Jungtiere: potentielle
Gelenkschädigung
Mögl. Nebenwirkungen:
ZNS -Schädigungen,
Knorpelschäden,
Retinadystrophie bei Katzen
 
Enrofloxacin (Baytril)
Marbofloxacin
(Marbocyl)
Difloxacin (Dicural)
Ibafloxacin (Ibaflin)
Danofloxacin
(Advocid)
 
Fenicole
 
bakteriostatisch;
Breitbandantibiotikum
 
Infektionen mit
Chlamydien,
Mykoplasmen, Rikettsien
und Bacteroides,
Meningoencephalitiden
 
Neugeborene Tiere:
eingeschränkte
Glukuronidierung
Mögl. Nebenwirkungen:
Erbrechen und Durchfall,
dosisabhängige und reversible Knochenmarks-
depression
 

Chloramphenicol
(Chloramphenicol,
Chloromycetin-Palmitat,
Chlorasel, Ibemycin)
Florfenicol (Nuflor) 

 
Peniciline

 
bakterizid; gut bei grampositiven Keimen, mäßig
bis schlecht bei
Anaerobieren und gramnegativen Keimen
 
lokale und systemische
Infektion, z.B. Haut,
Respirationstrakt und
Harnwege; OP-
Prophylaxe,
Wundtherapie, gute
Kombinationsmöglichkeit
mit Aminoglykosiden
 
 
Nicht anwenden bei
Nagern und Hasenartigen,
Mögl. Nebenwirkungen:
Anaphylaxie, ulzerative
Kolitis, allg. geringe
Toxizität

Penicillin (Penicillin G)
Oxa- und Cloxacillin
(Stapenor H.M.)
Nafcillin (Nafpenzal T)
Ampicillin (Ampisan 20)
Amoxicillin (Clamoxyl)
Amoxicillin/Clavulansäure
(Synulox) 

Cephalosporine
 
bakterizid;
Generation I Wirksamkeit
wie Synulox,
Generation II bessere
Wirksamkeit gegen gramnegative Keime,
Generation III und IV
gute Wirksamkeit gegen grampositive und -negative Keime und Anaerobier.
 
 
Infektionen der
Harnwege und der Haut,
Septikämie
 
nicht anwenden bei
Nagern und
Hasenartigen; potentiell
nephrotoxisch
Mögl. Nebenwirkungen:
Erbrechen, Durchfall und
Injektionsschmerz, paren-
teral gute lokale
Verträglichkeit
 
Cephaclor (Panoral)
Cephalexin
(Cobaxim, Rilexine)
Cephoperazon
(Peracef, Cefobis)
Cefquinom
(Cobactan 2,5%)
Ceftiofur (Exenell)
Cefacetril (Vetimast)
 
Tetracycline
 
bakteriostatisch; echtes
Breitbandantibiotikum
 
lokale und systemische
Infektionen, Mittel der
Wahl bei Ehrlichiose,
Hämobartonellose,
Borreliose, Infektionen
mit Chlamydien,
Mykoplasmen u.
Campylobacter, chron.
Bronchitis und
Pneumonie, da in
Tracheobronchialsekret
hoher Gewebespiegel
erreichbar
 
 
Jungtiere: Verfärbung der
Zähne, schlechte
gastrointestinale
Verträglichkeit
Mögl. Nebenwirkungen:
Allergie, Gastroenteritis,
Hepato-, Nephropathie,
Photosensibilisierung
 
Tetracyclin
(Tetracyclin, Terramycin;
Großtier)
Oxytetracyclin
(Terramycin; Großtier)
Doxycyclin (Doxycyclin,
Ronaxan, Kleintier, bes-
sere Resistenzlage als
Tetracyclin)
 
Aminoglykoside
 
bakterizid; breites
Sepktrum gegen grampositive und -negative Keime
 
lokale und systemische
Infektionen

Dosisabhängig: ototo-
xisch, nephrotoxisch,
neuromuskuläre
Blockaden 

Gentamicin (Gentamicin,
Gentovet, bes. gram- negativ, Mycoplasmen u.
Chlamydien)
Streptomycin
(Streptomycin, schlechte
Resistenzage, evtl.
Leptospirosetherapie
Hund)
Neomycin (Neomycin,
schlechte Resistenzlage,
topische Anwendung)
Kanamycin (Kanamycin,
Kreuzresistenz zu
Neomycin, auch parente-
rale Anwendung)
Spectinomycin (Spectam)
Amikacin
(wie  Gentamycin, teuer, i.m., i.a.)
Apramycin (Apralan G,
Apramycin Doser) 
 
 
Sulfonamide
 
bakteriostatisch/
bakterizid
 
Anwendungsgebiet:
Infektionen mit
Chlamydien, Kokzidien
u. Toxoplasmen

Gegenanzeigen:
Leber- und
Nierenfunktionsstörungen,
Schädigung des hämato-
poetischen Systems, ver-
minderte Flüssigkeits- aufnahme und
Flüssigkeitsverluste, Überempfindlichkeit gegenüber Sulfonamiden
Mögl. Nebenwirkungen:
Hepatopathie,
Keratokonjunktivitis sicca,
Nephropathie 
 
 
Sulfonamid u.
Trimethoprim
(Trimethoprim-
Sulfonamid, Eusaprim,
Bactrim, Borgal,
Tribrissen)
Sulfmethoxazol
(Sulfmethoxazol)
 
Nitrofurane
 
bakteriostatisch/
bakterizid
 
Harnwegsinfektionen und Prophylaxe bei rezidivierenden
Harnwegsinfektionen
 
Trächtige Tiere (mutagen),
Niereninsuffizienz
Mögl. Nebenwirkungen:
Neurotoxizität,
Hepatotoxizität,
Komplikationen im
Respirationstrakt,
Erbrechen und Diarrhoe
   

Nitrofurantoin
(Kombinationspräparate:
Urofur, Urospasmon,
Uroclear) 
 
Imipenem
 
sehr gute Wirksamkeit gegen gramnegative Keime wie Pseudomonaden, Klebsiellen
 
 
Sepsis, mehrmal tgl. i.v. Applikation, teuer
 
Allergie, Trächtigkeit
mögl. Nebenwirkungen: gastrointestinale Beschwerden, Exanthem
 
Imipenem
(Zinam)
 
Nitroimidazole

gut gegen Anaerobier und Giardien
 
Kombinationen mit Gyrasehemmern oder Aminoglykosiden bei Sepsis, Peritonitis, Verletzungen im Verdauungskanal, Dysenterie der Schweine, gelber Knopf bei Tauben
 
 
Trächtigkeit
mögl. Nebenwirkungen: hohe Toxizität, evtl. mutagen, Erbechen, Störungen in der Spermatogenese
 
Metronidazol
(Suanatem)

 

 


 

 

 

 

 

 

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