Diagnostikleitfaden Allergie 
Allergieverdacht - was ist zu tun? Sie haben einen juckenden Hund vor sich - prinzipiell kommen hauptsächlich folgende Differentialdiagnosen in Frage: - Allergie (Flohallergie, Futtermittelallergie, Atopie, Insektenhypersensitivität)
- Parasiten (Sarcoptesbefall, Flöhe, andere Ektoparasiten)
- Primäre oder sekundäre Infektionen (Bakterien, Malassezien)
- Andere Ursachen (z.B. Tumor, Pemphigus)
Zur Allergieabklärung können Sie die unten angeführten Leitfäden verwenden. Die Anamnese hilft in der Regel sehr, um die Reihenfolge der einzelnen Differentialdiagnosen richtig stellen zu können. Ein Befall mit Räudemilben ist in der Regel immer differentialdiagnostisch mit einzukalkulieren. Bedenken Sie bitte auch, dass manche Tiere nur sehr schwach ausgeprägte Symptome aufweisen, was dann die klinische Unterscheidung sehr erschwert. Allergie - ein Schwellenwertphänomen Für die Ausprägung der klinischen Symptomatik spielen sowohl allergische als auch nicht allergische Komponenten zusammen. Wenn alle Komponenten gemeinsam einen gewissen Schwellenwert (der für jedes Lebewesen sehr individuell ist) überschreiten, kommt es zur klinischen Symptomatik. Daraus folgt, ein Tier kann zwar allergisch, aber nicht klinisch manifest erkrankt sein, bis sich irgend eine der vielen Komponenten ändert - und plötzlich zeigt das Tier klinische Symptome, da der Schwellenwert überschritten wurde. Auslöser kann z.B. im Sommer die erhöhte Pollenbelastung (allergische Komponente) sein, oder aber auch ein Hinzukommen einer ganz anderen Erkrankung. 
Warum überhaupt die Allergie austesten? Natürlich müssen wir zuerst einmal wissen, um welche Allergie es sich überhaupt handelt - denn bei der Flohallergie z.B. können wir durch einen effizienten Einsatz mit den sich heute am Markt befindlichen Flohkontrollprodukten, einen beschwerdefreien Patienten bekommen. Eine Futtermittelallergie verlangt die Umstellung der Fütterung und die rigorose Kontrolle, dass das Tier nichts anderes aufnehmen darf. Es sind also je nach verursachendem Agens unterschiedliche Maßnahmen zu treffen. Die atopische Dermatitis sollte immer - wenn die Symptome länger als 4 Monate im Jahr andauern und es sich um ein Tier bis mittleren Alters handelt- mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) behandelt werden. Hierbei handelt es sich um eine generell sichere Therapie für das Tier, die finanziell günstig ist und bei mehr als 2/3 aller Patienten sehr erfolgreich eingesetzt wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Erfolg einer SIT auch sehr stark von der Betreuung des Tierbesitzers und der individuellen Abstimmung der Therapie auf den Patienten abhängig ist. Wir helfen Ihnen gerne dabei und unterstützen Sie mit telefonischen Beratungen, schriftlichen Unterlagen oder anderen Informationen. Kontaktieren Sie uns ganz einfach und wir helfen Ihnen dabei Ihren Patienten durch die SIT zu führen. Wie kann ich die Ergebnisse der serologischen Tests interpretieren?Wichtig ist es immer, das Ergebnis mit Hilfe der Anamnese und der klinischen Symptomatik zu interpretieren und entsprechend zu therapieren (so wie ja auch nicht ein EKG therapiert wird, sondern das gesamte Bild der Herzerkrankung). Die Höhe der Reaktionsklassen gibt eine Aussage über die Menge - der auf das jeweilige Allergen gebildeten - Antikörper. Diese Reaktionsklassen müssen nicht zwingend immer mit der Ausprägung der Symptome korrelieren. So können auch Allergene, die im Allergietest niedrigere Reaktionsklassen zeigen, für die Ausprägung der klinischen Symptomatik mitverantwortlich sein. Dennoch sollten für die Auswahl der Allergene für die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung, Desensibilisierung) die Allergene der höheren Klassen ausgewählt werden. Bei unerwartet negativen Ergebnissen müssen immer folgende Fragen abgeklärt werden : Hat eine Vorbehandlung derart stattgefunden, dass freie Antikörper nicht mehr nachweisbar waren? (z.B. Langzeitcorticosteroide) Stimmt der Zeitpunkt der Probenentnahme im Bezug auf zu erwartende Antikörperkonzentrationen? (liegt noch Exposition vor) Kommen andere als die im Test verwendeten Allergene als verursachendes Agens in Frage? (z.B. Epithelien, seltenere Pollen) Stimmt meine klinische Diagnose einer Allergie? (z.B. Differentialdiagnose Sarcoptes o.ä.)
Leitfaden Allergiediagnostik Hund Hauptsymptom Juckreiz (sine materia), d.h. Hautveränderungen erst sekundär durch das Kratzen und sekundäre Infektionen (Staph. intermedius oder Malassezien). | | Flohallergie | Futtermittelallergie | Atopische Dermatitis | | Beginn der Symptome | Immer mit 3-5 Jahren gehäuft | Immer, auch ganz junge und alte Tiere (2 Monate oder 12 Jahre!) | 6 Monate - 3 Jahre | | Jahreszeit d. Symptome | Saisonal, in Ausnahmefällen ganzjährig Ganzjährig | Saisonal bei Pollen, Ganzjährig bei Milben | | | Verteilungsmuster der Symptome | Caudale Körperhälfte (Krupp, Schwanzansatz) | Überall, kann exakt wie z. B. Flohallergie oder Atopie aussehen oder z.B. nur Pododermatitis oder Otitis | externa Vordere Körperhälfte (Pfoten, Extremitäten schlecken und knabbern, Gesicht reiben, Ohren - Erythem od. Otitis)
| Cortison- ansprechbarkeit | | Oft schlecht bis gar nicht | Außer bei Sekundärinf. - gut | | Sonstige Punkte zur Reihung der Differentialdiagnosen | Flohkot oder Floh positiv | Oft zusätzliche Anamnese von Diarrhoe, Flatulenz, häufiger Kotabsatz | Im Hochgebirge oder Meer oft beschwerdefrei |
Leitfaden Allergiediagnostik Katze Leider sind Katzen keine kleinen Hunde, daher kann man gerade bei Hautproblemen das Hundewissen nicht 1:1 auf Katzen übertragen. Bei Katzen kann ein und dieselbe Hauterkrankung sehr verschieden aussehen und ein und das selbe Bild kann viele verschiedene Ursachen haben. Folgende symptomatische Beschreibungen können ein und die selbe oder mehrere Allergie(n) als Ursache haben: - miliare Dermatitis
- selbstinduzierte Alopezie an Abdomen oder sonstigen Lokalisationen
- Exkoriationen im Gesichtsbereich
- eosinophiler Granulomkomplex
- Rodent Ulcer (Lippe)
- Eosinophile Plaque (Leiste, Abdomen)
- Lineares Granulom (Hinterextremität, Pharyngeales Granulom, Kinn-Form)
Daher muss man gerade bei der Katze alle anderen Indizien (Jahreszeit des Auftretens, Flohkot, Diarrhoe, ...) vereinen, um zu einer aussagekräftigen Reihung der Differentialdiagnosenliste zu kommen. Prinzipiell sollte immer eine gute Flohkontrolle durchgeführt werden - insbesondere beim Vorliegen einer miliaren Dermatitis. Bei Exkoriationen im Kopf- und Halsbereich steht sehr häufig die Futtermittelallergie an erster Stelle. Häufig führt die Anamnese allein nicht zu einer schlüssigen Diagnose - hier sollte dann systematisch ausdiagnostiziert werden.
Leitfaden Allergiediagnostik Pferd Auch beim Pferd sind die Allergiesymptome sehr unterschiedlich ausgeprägt. Folgende Symptome oder Symptomenkomplexe können allergischer Genese sein: - Sommerekzem
- Juckreiz ohne primäre Hautveränderungen
- Urticaria
- Respiratorische Symptomatik (COPD)
Insektenhypersensitivität, Atopie oder eine Futtermittelallergie können als Ursache für alle oben genannten Symptome in Frage kommen. Um das auslösende Allergen herausfinden zu können, sollten anamnestische Informationen und Allergietests herangezogen werden (für Atopie und Insektenhypersensitivität - serologische Tests oder Intrakutantest, bei Verdacht auf Futtermittelallergie - Ausschlussdiät)
Leitfaden Sarcoptes-Diagnostik Hund
Der Befall mit Sarcoptes scabiei var. canis ist bei allergischen Hautgeschehen sehr oft eine wichtige Differentialdiagnose. Bei folgenden Symptomen sollte differentialdiagnostisch immer an ein Befall mit Räudemilben gedacht werden: - Papeln (oft mit honigfarbenen Krusten) im ventralen Bereich(Ellbogen, Axilla, Brust, Abdomen)
- Schuppige, krustige Ohrränder
- Vergrösserte Lymphknoten
- Positiver aurikulopedaler Reflex
Aus dem Vorbericht können sehr oft folgende Informationen erfragt werden: - Kontakt mit anderen juckenden Hunden
- Aufenthalt im Tierheim
- Spaziergang im Wald (räudiger Fuchs)
- Menschliche Familienmitglieder mit Hautveränderungen
- Herkunft des Hundes aus Tierheim, Tierhandlung oder unbekannter Herkunft
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